Interwiew zum Ökumenischen Kirchentag 2010

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Interview zum Ökumenischen Kirchentag 2010


Vom 12.05. bis zum 16.05.2010 fand in München der ökumenische Kirchentag statt, der unter dem Leitwort „Damit ihr Hoffnung habt“ stand. Propst Löber hat dort mit 28 Gemeindemitgliedern die evangelisch-lutherischen Gemeinden in Kaliningrad vertreten. Die Reise haben sie gemeinsam, mit 23 Mitgliedern der katholischen Gemeinde aus Kaliningrad, unter der Leitung von Pater Eduard, angetreten.

Zu diesem Anlass habe ich, Nathalie Kölsch (FSJ`lerin der evangelisch-lutherischen Gemeinde Kaliningrad), Propst Löber und Pater Eduard interviewt.

 

Herr Propst Löber,

zum zweiten Mal ist die evangelisch-lutherische Gemeinde nicht alleine zum Kirchentag gefahren.

Wie entstand die Idee, die Reise gemeinsam mit der katholischen Gemeinde anzutreten?

·Die Idee kam von den Partnern aus Deutschland, Herr Edgar Born, Aussiedlerbeauftragter der evangelischen Kirche in Westfalen und Herr Dr. Alexander Hoffman, Beauftragter der katholischen Aussiedler bei der deutschen Bischofskonferenz. Ihnen beiden war es ein Anliegen, katholische und evangelische Christen, darunter auch Aussiedler, zum ökumenischen Kirchentag nach München einzuladen. Über diese Einladung haben wir uns natürlich sehr gefreut. Im Januar 2010 waren Herr Born und Dr. Hoffman bei uns in Kaliningrad zu Gast. Während ihres Aufenthaltes haben wir die Details der Reise besprochen.

 

Was war das Besondere an dem diesjährigen Kirchentag? Haben Sie besondere Erfahrungen sammeln können?

·Das Besondere an unserer Reise war natürlich das Miteinander in der ökumenisch geprägten Gruppe. Schon während unserer 22-stündigen Hinreise haben wir einen guten Kontakt zueinander gefunden. Wir haben viel miteinander gesprochen, Lieder gesungen und gebetet. Für uns Protestanten war es besonders eindrucksvoll mitzuerleben, wie die katholischen Schwestern und Brüder den Rosenkranz beten. Somit wurde das besondere Anliegen des Kirchentages schon in unserer Gruppe ein Stück weit verwirklicht. An einem der Abende waren wir in der katholischen Kirchengemeinde in Pfaffenhofen an der Ilm eingeladen. Wir sahen ein Theaterstück, in dem Jugendliche der Frage nachgingen: Was ist Heimat? Weiterhin kamen wir an diesem Abend mit in Deutschland lebenden Aussiedlerinnen und Aussiedlern ins Gespräch. Im Mittelpunkt aller Gespräche stand immer wieder die Frage der persönlichen Identität, die von Migrationserfahrungen geprägt ist. An diesem Abend trat auch der Chor unserer Kaliningrader evangelischen Auferstehungskirche auf und begeisterte die Zuhörer mit Liedern in deutscher und russischer Sprache. Dieser Abend wird mir lange in Erinnerung bleiben.

 

Gab es Schwierigkeiten oder Probleme mit denen Sie zu kämpfen hatten?

· Schwierigkeiten entstanden allein durch die niedrigen Temperaturen, die in München herrschten. Viele von uns waren kleidungsmäßig doch eher auf frühsommerliches Wetter eingestellt.

 

Gab es einen typischen Tagesablauf? Wenn ja, wie verlief dieser?

· Wir waren in unterschiedlichen Hotels in Schweitenkirchen und Sünzhausen untergebracht. Nach dem Frühstück sind wir gemeinsam bis an den Stadtrand von München gefahren und haben danach mit der U-Bahn die Veranstaltungen des Kirchentages besucht.

 

Der Chor der evangelisch-lutherischen Gemeinde war auch unter den Teilnehmern. Welche Funktion hatte dieser? Und um welche Aufgaben kümmerten sich die restlichen Teilnehmer?

· Der Chor hat an 3 Veranstaltungen teilgenommen und dort gesungen. Sie erhielten von den Zuhörern immer großen Beifall. Die anderen Teilnehmer hatten keine offiziellen Funktionen. Lediglich Pater Eduard und ich nahmen an einem Podiumsgespräch zur Frage der Integration von Aussiedlern in den Gemeinden teil.

 

Ihr Fazit zum Kirchentag 2010 in München:

· Diese Fahrt war ein „Experiment“ und am Ende sehr gelungen. In einer Abschlussrunde, die wir auf der Heimfahrt im Bus machten, brachten viele unserer Mitreisenden zum Ausdruck, dass ihnen diese Fahrt sehr gefallen habe. Zum einen fanden sie die Veranstaltung des Kirchentages sehr interessant, zum anderen war es für sie wichtig, Christinnen und Christen einer andern Konfession näher kennenzulernen.

Pater Eduard zitierte ein deutsches Sprichwort, das lautet: wenn du einen Menschen kennenlernen möchtest, dann mach mit ihm eine Reise!

Vorurteile, die bei dem einen oder anderen möglicherweise bestanden, konnten abgebaut werden. Schließlich haben wir die Verabredung getroffen, uns nach der Sommerpause im September wieder zusammen zu setzen, um den Kontakt zu vertiefen. Ziel ist der Aufbau eines ökumenischen Gesprächskreises, zu dem auch orthodoxe und armenische Christen eingeladen werden sollen.

 

 

Herr Pater Eduard,

zum ersten Mal waren Sie mit 22 Mitgliedern ihrer katholischen Gemeinde in Kaliningrad gemeinsam mit der evangelisch-lutherischen Gemeinde bei einem ökumenischen Kirchentag in Deutschland vertreten.

War das eine Reise, die Sie geprägt hat? Welche Erfahrungen haben Sie sammeln können?

· Ich war zum ersten Mal bei einem solch großen Christentreffen dabei. Deswegen hat mich das ganze Ereignis durch die gewaltige Organisation sehr beeindruckt. Mit den Vorbereitungen wurde schon vor 5 Jahren begonnen. Um diesen Kirchentag auf die Beine zu stellen, war viel Arbeit notwendig. Nicht nur bezahlte Mitarbeiter, sondern auch viele Freiwillige haben den Kirchentag organisiert und gestaltet. Diese gewaltige Versammlung zeigt, wie viele Initiativen es in Deutschland gibt, die im Namen Christi und um des Heiles Willen der Menschen handeln. Auf der katholischen Seite wurden viele Ordensgemeinschaften und Seelsorge unter den Russlanddeutschen zusammengestellt. Auch bei den Protestanten gibt es viele Initiativen zum Wohle der Menschen.

Dann fiel mir aber auch auf, dass recht forsch präsentiert wurde wie kritisch einige Katholiken gegenüber der Kirche stehen und Dinge betreiben, die nicht wirklich viel zum Wohl der Kirche beiträgt, z.B. die Bewegung Kirche von Unten.

Die Unterstützung der sogenannten Amtskirche hat uns sehr geholfen. Mit großem Interesse und auch Opfern hat die Kirche in die Teilnehmer investiert. Diese Fahrt soll nicht einfach nur ein schönes Erlebnis für die Teilnehmer sein, sondern auch eine Aufforderung, mehr für die Gemeinschaft zu tun. Die Gefahr ist immer wieder, dass solche Reisen angetreten werden, die Menschen Tolles erleben und nach der Rückkehr die Gemeinschaft vergessen wird.

 

Wie empfanden sie das Verhältnis zu den evangelischen Brüder und Schwestern?

· Das Verhältnis war gut. Im Bus haben wir uns ungezwungen miteinander unterhalten. Für mich ist das ja nicht das erste Mal, dass ich mit evangelischen Pastoren zu tun habe. Wir haben gemeinsam alles schön organisiert und auf der Fahrt miteinander gesungen und gebetet. Als wir den Rosenkranz beteten, hat sich keiner von den Protestanten beschwert, obwohl es etwas Unbekanntes für sie war.

 

Gemeinsam mit der evangelisch-lutherischen Gruppe waren Sie an einem Stand am Kirchentag vertreten.

Welche Funktionen oder Aufgaben hatten Sie und die Teilnehmer Ihrer Gruppe?

· Der Stand am Kirchentag war nicht nur uns. Er hieß „Das russlanddeutsche Haus“ und wir waren dort mit noch anderen ähnlichen Gruppierungen vertreten. Ich habe eine deutschsprachige Mitarbeiterin aus meiner Gemeinde gebeten, die Plakate für beide Konfessionen zu erklären. Später hat das ein katholischer Priester der orthodoxen Liturgie übernommen.

Ansonsten haben wir unsere Teilnehmer dazu ermutigt, sich die anderen Stände des Kirchentages anzusehen, sich zu informieren und zu lernen.

 

Wie waren sie untergebracht und wie gefielen die Unterkünfte?

· Wir waren gut untergebracht. Zwar war unsere Herberge noch nicht komplett eingerichtet, da das Gebäude erst vor kurzem zu einem Landgasthof umgestaltet wurde, aber die Atmosphäre war sehr nett, angenehm, familiär und herzlich. In einem Hotel wäre es wahrscheinlich viel formeller und steifer gewesen.

Es war toll, dass wir als Gruppe an einem Platz übernachtet haben. So konnten wir einander nicht verlieren. Wir sind zu einer Gemeinschaft zusammen gewachsen und haben uns besser kennen und schätzen gelernt.

 

Ihr Fazit zum Kirchentag 2010 in München:

· Es tut uns allen gut, wenn wir uns für die Kirche, für Christus und die Menschen engagieren. Das tut uns persönlich wohl. Es hat mich sehr gekränkt, dass gewisse Leute, die ich schon vor Wochen um Mitarbeit gebeten hatte, die Hilfe verweigert hatten, da sie an diesem Projekt zweifeln. Es gibt Katholiken, die sagen „das taugt nichts“. Aber ich glaube, wir sollten uns kräftig an der Ökumene engagieren und unsere Überzeugung zeigen.

Im Endeffekt denke ich aber, ist die Fahrt sehr gelungen. Wir wollen uns wieder treffen, um eine Nacharbeit zu initiieren, um hier, im Kaliningrader Gebiet, gemeinsam mehr zu unternehmen. Das schönste wäre ja, wenn es uns gelingen würde, richtig zusammenzuarbeiten. Nicht nur mit den Protestanten, sondern auch mit den Orthodoxen.

 

 

Nathalie Kölsch